Planungsphase

Nikolaikirche Alzey

Um- und Neugestaltung Innenraum

Erbaut 1420/1430 - 1499

Die dreischiffige spätmittelalterliche Hallenkirche, deren Bau vermutlich 1420-1430  begann und 1499 mit Vollendung des Kirchturms fertiggestellt wurde, erlitt im Laufe ihrer Geschichte vielfache Zerstörungen und Umbauen.  1689 wurde die Kirche bis auf die Außenmauern zerstört und stand so über einen langen Zeitraum nur notdürftig repariert und teilweise überdacht. Der westliche Teil wurde abgetrennt und das Dach überspannte das gesamt Langhaus, weil die Arkaden vermutlich zerstört worden waren. Erst im Jahre 1833-1848 fand eine umfassende Instandsetzung unter Einfluss von Georg Moller statt, dabei wurde den Innenraum in neugotischen Formen ausgebaut: kantonierte Viereckpfeiler, eine Vorhalle, Holzgewölbe -auch im Chor-  und eine Empore wurden errichtet. 1934-1937 fand nochmals ein tiefgreifender Umbau statt: die neugotische Empore und Arkaden wurden durch eine neue Empore aus Beton und sechseckige Langhauspfeiler im Geschmack der Zeit ersetzt. Die Holzgewölbe wurden abgebaut und durch eine Balkendecke im Langhaus und ein massives Gewölbe im Chor ersetzt. Das Bodenniveau wurde, ausgehend vom ca. 1.20 m höher liegenden Chorschluss, komplett bis zum Chorbogen um ca. 1.20 m erhöht und eine Scheinkrypta geschaffen, die die Beweinungsgruppe aufnahm. 1963-1965 wurde unter Prof. Romero der im wesentlichen noch heute erhaltene Innenraum geschaffen. Dabei wurde der neue Haupteingang im Turm angelegt und dafür die ca. 2,0 m starke Südwand des Turms durchbrochen und mit sichtbaren Stahlträgern abgefangen. Die  Beweinungsgruppe wurde in den Eingangsbereich im Turm versetzt, der durch eine tiefliegende Stahlbetondecke einen Kontrast zum hohen Kirchenschiff darstellen sollte. Die Scheinkrypta wurde abgebrochen und der Chor durch eine Mauer noch stärker vom Kirchenschiff getrennt. Der Innenraum Nikolaikirche in Alzey soll nun, nach den diversen Zerstörungen und Umbauten, eine Innenrenovierung und Neukonzeption erhalten. Im ersten Schritt, und zur Vorbereitung der Neukonzeption, wurden zunächst umfassende bautechnische und bauhistorische Untersuchungen durchgeführt, um die wechselvolle Geschichte der Nikolaikirche besser fassen zu können. Anschließend wurde ein einheitliches Raum- und Farbkonzept für den Innenraum der Kirche entwickelt.  Da im Innenraum so gut wie keine bauzeitlichen Bauelemente erhalten sind, soll der Schwerpunkt auf der Wiederherstellung des gotischen Charakters gelegt werden. Der derzeit stark horizontal gegliederte Raum soll  zunächst, durch ein Absenken des Chorraumes auf sein ursprüngliches Niveau, und den Abbruch der Westempore,  seinen ursprünglich vertikalen gotischen Raumeindruck zurück erhalten.  Die Nikolaikirche soll einen klaren, aufgeräumten Innenraum erhalten. Dazu werden, abgesehen von den Bänken im Kirchenschiff, alle Elemente, wie Epitaphien, Kanzel, Altar, Teppiche, etc., aus dem Kirchenraum entfernt. Eine Farbkonzeption aus leicht abgesetzten Weißtönen soll den stark umgebauten Raum vereinheitlichen und zugleich die Architekturglieder, vor allem im Chorraum, differenzieren und absetzen.  Die in einem unpassenden rötlichen Sandstein verkleideten Stahlbetonstützen sollen dabei mit überstrichen werden und so etwas in den Hintergrund treten.  Die Bänke aus den sechziger Jahren werden mit einer dunklen Beize holzsichtig gefasst und verleihen dem Raum dadurch eine Ruhe und eine optische Basis. Auch die Neugestaltung des Haupteingangs im Turm wird geplant: die niedrige Stahlbetondecke des Vorraums wird durch ein Gewölbe in ursprünglicher Höhe ersetzt, so dass der Eingangsbereich nicht mehr im Kontrast zum Kirchenraum steht, sondern in das Raumkonzept der Kirche eingebunden wird.  Der Zugang soll neu gestaltet werden und auch in seiner Außenwirkung den Haupteingang betonen. Da das Licht für die Gotik eine elementare Rolle spielte, wurde in einem nächsten Schritt ein Wettbewerb unter sechs Lichtplanern ausgelobt, um ein, zu dem klaren, hellen Raum passendes, Lichtkonzept zu entwickeln. Das Büro Cybulska und Partner aus Frankfurt ging daraus als Sieger hervor, weil es ein Konzept vorsah, das die gleichmäßige Ausleuchtung des Kirchenraumes vorsieht, ohne dabei die Leuchten selbst in den Vordergrund treten zu lassen. Im weiteren Verlauf der Maßnahme soll noch ein Wettbewerb organisiert werden, um die Prinzipalstücke, Altar, Kanzel und Taufbecken, in einem Künstlerwettbewerb als einheitliches Konzept neu zu entwickeln und zu gestalten. Nach den Vorbereitungen in 2017 ist die Ausführung für die Jahre 2018 und 2019 geplant.

Bauzeit

2018

Bauherr

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Projektleitung

Daniel Macholz

Mitarbeiter

Miguel Martinez Sanchez
Annette Jakob-Schultheis
Zhiyun Qin


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